Ökotourismus: Die ultimative Einführung in den sanften Tourismus

Ökotourismus: Die ultimative Einführung in den sanften Tourismus

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Laut der International Ecotourism Society ist Ökotourismus eine verantwortungsvolle Form des Reisens in naturnahe Gebiete, die die Umwelt schützt, zum Wohlergehen der ansässigen Bevölkerung beiträgt und Naturvermittlung und Bildung umfasst. Ökotourismus entstand als Gegenbewegung zum Massentourismus mit all seinen negativen Auswirkungen auf die Natur vor Ort und den Einfluss auf die ansässige Bevölkerung.

Im Idealfall sollen also Natur, Einheimische und Reisende vom Ökotourismus profitieren. Selbst wenn immer wieder Kritik an dieser Form des Reisens laut wird, zählt sie derzeit doch zu den umwelt- und sozialverträglichsten. Denn überall dort, wo Massentourismus hinterfragt wird, fängt verantwortungsbewussteres Reisen an.

1. Definition: Was bedeutet der Begriff Ökotourismus?

Definition: Was bedeutet der Begriff Ökotourismus?

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Ökotourismus bedeutet, ökologisch wichtige und schützenswerte Gebiete zu bereisen und dabei besondere Rücksicht auf die Ökosysteme vor Ort und die einheimische Bevölkerung zu nehmen. Ökotourismus führt weder in Städte noch zu kulturellen Sehenswürdigkeiten, bereist werden ausschließlich natürliche Urlaubsziele wie unberührte Landschaften, Nationalparks und Naturschutzgebiete.

Sie sollen durch die Urlauber eine wirtschaftliche Stärkung und einen daraus resultierenden Schutz erfahren. Naturnahes Reisen setzt die Einhaltung bestimmter Prinzipien voraus. So soll ökologisch verantwortlicher Tourismus:

  • Aktiv zum Schutz und Erhalt des natürlichen und kulturellen Erbes beitragen
  • Den Besuchern das natürliche und kulturelle Erbe näherbringen
  • Das Verständnis für fremde Kulturen und die natürlichen Ökosysteme vor Ort fördern
  • Die lokale bzw. indigene Bevölkerung berücksichtigen und involvieren
  • Zum Wohl der lokalen Bevölkerung beitragen
  • Wirtschaftlichen Profit ausschließlich in die Umwelt reinvestieren

Gelingt dies, profitieren alle Beteiligten davon. Denn, wenn Umweltschutz zum Selbstzweck wird, erfreuen sich Besucher an einer intakten Natur und die wirtschaftliche Existenz der einheimischen Bevölkerung bleibt gesichert.

2. Ökotourismus: Vor- und Nachteile

Der Ökotourismus bietet viele Vor-, aber auch einige Nachteile

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Wie alles im Leben, bietet auch der Ökotourismus nicht nur Vorteile, sondern auch einige Nachteile.

2.1 Vorteile des Ökotourismus

Ökotourismus heißt, sich ganz bewusst für eine ökologisch und sozial verträgliche Art des Reises zu entscheiden. Sie verspricht intensive Erlebnisse in unberührten Lebensräumen und erwartet dafür einen respektvollen Umgang mit Natur und Mensch. Gelingt dies, profitieren ALLE von den vielen Vorteilen, denn Ökotourismus:

  • Sichert den Erhalt der Naturräume durch weniger Ausbeutung und mehr Artenschutz
  • Erlaubt Reisenden die unberührte Schönheit des Urlaubslandes zu entdecken
  • Wirkt sich nicht auf die kulturelle Identität der indigenen Bewohner aus
  • Hindert die einheimische Bevölkerung nicht an der Ausübung ihrer Traditionen
  • Schafft (alternative) Arbeitsplätze mit fairen Arbeitsbedingungen
  • Dient dazu, vor Ort ein Bewusstsein für den Wert der natürlichen Ressourcen zu entwickeln
  • Fördert das Gemeinwohl, die Lebensqualität und den lokalen Wohlstand
  • Sorgt dafür, dass die Einnahmen aus dem Tourismus vor Ort reinvestiert werden
  • Verzichtet auf Hotelburgen, Shopping-Meilen und All-Inclusive-Massentourismus

2.2 Nachteile des Ökotourismus

Wo Ökotourismus seine Schwachstellen zeigt und Widersprüchlichkeiten auftreten, wird schnell Kritik laut. Denn als massentauglicher Reisetrend eignet sich Ökotourismus keinesfalls. So kann eine wachsende Nachfrage dazu führen, dass:

  • Die Biodiversität der teils noch unberührten Ökosysteme nachhaltig geschädigt wird
  • Wilde Tiere vom Lärm der Menschen erheblich gestört werden
  • Naturnahes Reisen nur für wohlhabende Menschen erschwinglich bleibt
  • Viele Gebäude für die Unterbringung von Touristen auf umliegenden Naturgebieten geschaffen werden müssen
  • Dort, wo wohlhabende Menschen Urlaub machen, Einheimische putzen, bedienen und reinigen müssen
  • Der ökologische Fußabdruck zwar geringer sein mag als beim Massentourismus, aber dennoch Wasser verbraucht, Pflanzen zertreten und Müll produziert wird

3. Angebote/Reiseveranstalter

Es gibt zahlreiche Organisationen, die Ökotourismus unterstützen

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Die Tourismusbranche zählt weltweit zu den größten Wirtschaftszweigen. Immer mehr Menschen möchten immer weiter reisen und dabei möglichst exotische und unberührte Gegenden entdecken. Um die Natur vor diesem ungebremsten Wachstum zu bewahren, haben sich verschiedenste Reiseveranstalter auf Ökotourismus spezialisiert.

Das Umweltbundesamt, Naturschutzorganisationen und verschiedenste Verifizierungen ermöglichen es inzwischen, eine Reisemöglichkeit zu finden, die den internationalen Vorgaben für Ökotourismus nachkommt.

So setzt der World Wildlife Fund for Nature (kurz: WWF) in Zusammenarbeit mit seinen Kooperationspartnern ganz bewusst auf Ökotourismus und nutzt dessen Potenziale zum Erhalt von Biodiversität, Beschäftigung und Sicherheit. Im Netz informiert der WWF über seine Projekte in den Schutzgebieten und Tourismusangebote vor Ort. Gleiches gilt für den Naturschutzbund Deutschland (kurz: NABU), der ebenfalls verschiedenste Projekte im In- und Ausland unterhält.

Wer beim Reiseanbieter auf Nummer sicher gehen möchte, kann sich an verschiedensten Zertifizierungen orientieren. In Deutschland besteht beispielsweise das Forum Anders Reisen aus einem Zusammenschluss von Ökotourismus-Anbietern.

Auch Gütesiegel wie Viabono, Green Globe 21 oder die Blaue Schwalbe dienen als Nachweis für die Einhaltung ökotouristischer Standards. Wer beim Reisen konkret auf nachhaltige Unterkünfte setzen möchte, wird bei Öko-Reiseportalen sie Bookitgreen oder Greenpearls fündig.

4. Beispiel für Ökotourismus

Berggorillas und Flachlandgorillas sind beliebte Tierarten zum Beobachten

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Ein konkretes Beispiel für die positiven Auswirkungen von Ökotourismus führt nach Zentralafrika in das Dzanga-Sangha Regenwaldreservat. Hier macht es der WWF möglich, im Rahmen einer 16-tägigen Reise Flachlandgorillas in ihrem natürlichen Habitat zu beobachten. Übernachtet wird inmitten von tropischem Regenwald. Unter der Führung eines fachkundigen Einheimischen geht es zu den Flachlandgorillas.

Von der Waldlichtung Dzanga-Bai aus lassen sich außerdem Waldelefanten, Büffel, Antilopen und Graupapageien beobachten. Die Ba’Aka Pygmäen gewähren Einblicke in ihre Kultur, berichten von der Jagd, von ihren Tänzen, ihren Heilpflanzen und der Zubereitung traditioneller Speisen. Bei Gesprächen mit den Mitarbeitern des WWF erfahren Reisende viel Wissenswertes über deren Arbeit in diesem so schützenswerten Lebensraum.

Das Schutzgebiet gilt als eine der wichtigsten Ökoregionen der Welt und besitzt die höchste Dichte an Großtieren im tropischen Regenwald. Durch Spenden und Tourismus ist es dem WWF möglich

  • Anti-Wilderer-Brigaden zu finanzieren
  • Die traditionellen Nutzungsrechte der lokalen Bevölkerung zu sichern
  • Den Einwohnern ein alternatives Einkommen zu bieten und dadurch den Schutz des Reservats zu gewährleisten

Was Ökotourismus noch kann? Der Virunga Nationalpark bietet im Grenzgebiet Demokratische Republik Kongo, Ruanda und Uganda ebenfalls eine riesige Artenvielfalt. Bekannt ist das Gebiet insbesondere wegen der hier lebenden Berggorillas.

Bereits seit den 80er Jahren bietet der Ökotourismus eine wichtige Einnahmequelle und bewahrte den Nationalpark und seine Gorillas vor verschiedensten Rebellengruppen. Grund: Die Sorge vor weltweiten Protesten und die Aussicht auf Gewinne aus dem Tourismus. 2014 konnte sogar die Ölförderung abgewendet werden.

5. Geschichte und Entwicklung des Ökotourismus

Die Geschichte des Ökotourismus begann in den 1960er Jahren in den USA

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Die Geschichte des Ökotourismus beginnt in den 1960er Jahren in den USA und wird von Jahr zu Jahr zu einem immer aktuelleren Thema.

  • 1960er Jahre
    Der Begriff Ökotourismus taucht erstmals in den 1960er Jahren in den USA auf.
  • 1970er Jahre
    Es wird vermutet, dass der Akademiker Claus-Dieter Herzer den Begriff erfunden und die ersten Touren in Yucatán bereits während der frühen 1970er Jahre durchgeführt hat.
  • 1990
    Im Jahr 1990 verankert Namibia als eines der ersten Länder den Umweltschutz in seiner Verfassung und sichert ökologischen Tourismus durch ein eigens hierfür geschaffenes Ministerium für Umwelt und Tourismus.
  • 1992
    Das Jahr 1992 bringt die Rio-Konferenz und rückt das Thema Nachhaltigkeit in den Fokus der Vereinten Nationen. Die Staaten verständigen sich darüber, dass Nachhaltigkeit auch im Tourismus eine Rolle spielen solle.
  • 2002
    Im Jahr 2002 riefen die Vereinten Nationen zum Internationalen Jahr des Ökotourismus aus. Hintergrund war der Gedanke, wenn Massentourismus schon nicht aufgehalten werden könne, so solle er doch wenigsten sozial, ökonomisch und fair vonstattengehen.

6. Statistiken

Interessante Statistiken rund um den Ökotourismus

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Hättest Du gewusst, dass…

  • Nur rund 10 Prozent aller Menschen je ein Flugzeug von innen gesehen haben?
  • Von sieben Milliarden Menschen auf der Welt nur eine Milliarde in den Urlaub fährt/fliegt?
  • Die Deutschen etwa 70 Millionen Urlaubsreisen pro Jahr unternehmen?
  • 70 Prozent der Deutschen gerne nachhaltiger reisen würden, dass es aber nur sieben Prozent wirklich tun?
  • 15 Touristen in Entwicklungs- und Schwellenländern etwa einen ganzen Arbeitsplatz erzeugen?
  • 75 Prozent der Deutschen bei einer nachhaltigen Reise der respektvolle Umgang mit der Landeskultur besonders wichtig ist?
  • 71 Prozent einem erhöhten Flugpreis zum Wohle des Klimas zustimmen würden?

(Quelle: https://www.careelite.de/tourismus-statistiken-fakten-urlaubsreisen/)

Dieser Artikel wurde zuletzt am 13. September 2021 aktualisiert.